Behind the Scenes: erbsünde

Behind the Scenes: erbsündeerbsünde ist das Schnittmuster-Label von Ilka aus München. Die kreative Mama von drei Töchtern ist eigentlich PR-Beraterin und hat sich das Nähen während der Elternzeit selbst beigebracht. Neben Kleidungsschnitten für Große entwirft Ilka unter ihrer Marke erbsündchen auch Schnittmuster für Kinderkleidung. In ihrem Blog berichtet sie von ihrem kreativen Alltag mit ihrer Familie, neuen Schnittmustern und zeigt inspirierende Nähbeispiele.

Im Interview verrät euch Ilka, wie es zur Gründung ihres eigenen Schnittmuster-Labels erbsünde kam, was ihr bei der Arbeit besonders Spaß macht und was ihren ganz eigenen Stil ausmacht. Viel Spaß beim Lesen!

 

Wie bist du zu deinem jetzigen Beruf gekommen?

Wie wahrscheinlich die meisten, bin ich über Umwege zum Nähen gekommen. Ich habe Jura studiert und nach dem ersten Staatsexamen beschlossen, kein Referendariat zu machen, sondern in den Bereich Public Relations zu wechseln. Das Studium habe ich aber nicht bereut, da ich mich dadurch sehr gut positionieren kann. Nach mehreren Stationen in verschiedenen PR-Agenturen gründete ich 2008 gemeinsam mit einer Freundin eine eigene Agentur, die ich 2013, nach der Elternzeit mit meiner dritten Tochter, aus Prioritätsgründen (Familie) verlassen habe. Während der Elternzeit habe ich dann angefangen zu nähen – erst für mein Baby, dann für Freunde. Als ich immer mehr Anfragen bekam, meldete ich ein Gewerbe an und gründete das Label erbsünde. Meine Töchter kamen dann mit Schnittwünschen auf mich zu, also habe ich mich in dieses Thema eingearbeitet … seitdem erstelle ich Schnittmuster.

Was reizt dich besonders an der Selbstständigkeit?

Definitiv die Möglichkeit, sich frei entfalten und entwickeln zu können. Man kann neue Richtungen einschlagen, kann Dinge, die einem nicht mehr gefallen oder über die man sich hinaus entwickelt, weglassen und immer Neues ausprobieren. Es gibt keine „Jobbeschreibung“, nichts ist festgelegt, alles ist möglich.

Behind the Scenes: erbsünde

Was ist deine große Leidenschaft?

Meine größte Leidenschaft ist das Schreiben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Vormittags arbeite ich in einer Werbeagentur als PR-Beraterin und Assistenz des Geschäftsführers. Je nachdem was gerade ansteht, verbringe ich den Nachmittag mit meinen Kindern oder arbeite an meinen Schnitten, nähe, entwickle neue Ideen, schreibe Beiträge, organisiere Kooperationen … das kann dann bis in die Nacht hinein gehen.

Welchen Tipp würdest du jungen Gründern geben, die sich im Kreativbereich selbstständig machen wollen?

Ganz vorne weg: Wenn man den Wunsch hat kreativ zu werden und sich selbständig zu machen, sollte man es unbedingt tun. Nichts ist schlimmer als irgendwann einmal zu sagen: „Ach, eigentlich wollte ich immer …“. Hat man sich dann zu dem Schritt in die Selbständigkeit entschieden ist es ganz wichtig, sich vor dem Start rundum zu informieren. Beispielsweise über die rechtlichen Seiten, wie Markenschutz, Impressum, Gewerbeanmeldung, CE- Zertifikate etc. Und natürlich sollte man sein Handwerk beherrschen. Keine Kleidungsstücke mit schiefen Nähten unter dem Deckmantel „ich starte ja erst“ anbieten, sondern so lange an sich arbeiten, bis man Werke präsentieren kann, auf die man stolz ist. Sie sind die Visitenkarte des (Klein)Unternehmens.

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Was findet man auf deinem Blog / Shop?

Neben meinen Schnittmustern und Ebooks biete ich auch Plotter- und Stickdateien an. Außerdem gibt es auf meiner Homepage viele Tutorials die beschreiben, wie man meine Schnittmuster abwandeln kann. Des Weiteren gibt es Links zu Tutorials meiner Probenäher und ein Freebook, nach dem man einen kleinen Schlafsack für Sternenkinder nähen kann – eines meiner Herzensprojekte. In meinem Blog schreibe ich über Dinge, die mich beschäftigen, interessieren oder amüsieren. Über Besonderes und Alltägliches, über mein Leben, die Nähszene oder das Leben mit Kindern.

Was macht deinen Blog und deine Produkte besonders?

Was macht meine Produkte besonders … nun ja, im Grunde entwerfen wir alle Hosen mit zwei Beinen, Pullover mit zwei Ärmeln, Kleider – schlicht oder gerüscht … es gibt nichts, was es nicht schon gab. Was die einzelnen Ebook-Ersteller meiner Meinung nach unterscheidet, ist zum einen die Ausführung. Bei mir gibt es beispielsweise keine Reißverschlüsse, keine Paspeln, keine Knopfleisten. Was nicht heißt, dass es sie nicht irgendwann gibt. Aber meine Schnittmuster werden immer die Möglichkeit beinhalten, schnell und simpel genäht zu werden. Zum anderen ist es der ebook-Ersteller selbst, der einfach einen bestimmten Personenkreis anspricht. Durch seine Stoffwahl, seine Fotos, seine Beiträge. Durch die Art, wie er kommuniziert unterscheidet er sich von anderen. Mein Blog und meine Produkte sind nicht besonderer als viele andere, sie sind einfach nur „ich“. Mein Stil, mein Geschmack, meine Ansichten, meine Meinung und meine Art, mit dem Leben umzugehen.

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Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Schlicht und einfach: schlichte Formen, Muster und Schnitte – einfach in der Erstellung. Vielleicht liegt es daran, dass mir Buntes und wild Gemustertes nicht steht und ich nicht der geduldigste Mensch bin. Schnell muss es gehen und sofort gut aussehen und natürlich toll sitzen.

Was nähst / bastelst du am Liebsten?

Es gibt kein „Liebstes“, was ich gerade gerne mache ist immer abhängig von meiner Stimmung, neuen Eingebungen, der Zeit und dem Material, das ich zur Verfügung habe.

Woran arbeitest du momentan?

Aktuell wird ein neuer Kinderschnitt Probe genäht. Weitere Schnitte sind schon fertig, teilweise seit über einem Jahr, aber die Zeit dafür ist noch nicht gekommen … es muss immer passen, natürlich auch zur Jahreszeit. Außerdem organisiere ich derzeit Nähkurse und Workshops, auf die ich mich sehr freue, denn in der doch sehr virtuell dominierten Nähszene fehlt mir einfach der persönliche Kontakt zu den Menschen, die sich für meine Schnitte interessieren. Das möchte ich ändern.

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Gab es schon mal eine ganz besondere Rückmeldung von einem deiner Kunden?

Ganz ehrlich: jede persönliche Nachricht ist für mich besonders. Ich bekomme Mails, Briefe, Postkarten oder auch Päckchen von Menschen, die sich durch meine Blogbeiträge angesprochen fühlen. Die sich bedanken, weil mein Beitrag sie nachdenklich gemacht, oder dazu angeregt hat, etwas zu ändern. Sie fühlen sich getröstet, bestätigt oder trauen sich endlich, einen langgehegten Wunsch umzusetzen, werden mutiger. Und ich freue mich jedes Mal unglaublich darüber.

Was machst du, wenn du mal nicht kreativ bis? Wie und wobei entspannst du dich am Liebsten?

Um ehrlich zu sein, nähe, zeichne und schreibe ich auch in meiner Freizeit. Mich entspannt meine Arbeit, sie macht mich einfach glücklich. Natürlich verbringe ich auch viel Zeit mit meiner Familie – aber entspannend ist das mit zwei Pubertierenden und einem kleinen Mädchen in der Trotzphase nicht immer. Allerdings sehr unterhaltsam.

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wird es mit deinem Label weitergehen?

In die Zukunft plane ich nicht denn es hat sich gezeigt, dass ich nicht weit vorausplanen brauche. Denn oftmals ergibt sich kurzfristig etwas Spannendes, Ideen, die ich unbedingt – am liebsten natürlich sofort – umsetzen möchte. Neben weiteren Schnittmustern gibt es ganz neu „erbsünde elements“. Dazu gehört eine Schmucklinie, die vergangene Woche online gegangen ist. Demnächst folgt handgenähte Mode für die „nicht Selbermacher“. Und ansonsten lasse ich mich – wie immer – von mir selbst überraschen.

 

Liebe Ilka, vielen Dank für das wunderbare Interview und viel Erfolg weiterhin mit deinem Label!