Behind the Scenes: Ringelmiez

RingelmiezIn unserer Reihe „Behind the Scenes“ stelle ich euch jeden Monat kreative Talente aus dem Handmade-Bereich vor. Heute dreht sich alles um die liebe Ella alias ringelmiez. Sie ist freie Autorin für Handarbeitsbücher und fertigt außerdem aufwändige Quilts nach Kundenwunsch an. Auf ihrem Blog berichtet sie von ihren Nähprojekten, gibt hilfreiche Tipps, veröffentlicht Anleitungen und lässt euch an ihrem kreativen Alltag teilhaben.

Die 33-Jährige lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen 3 Kindern in Freiburg. Ich habe Ella zu ihrem Werdegang und kreativen Alltag befragt und wollte wissen, welche Tipps sie für junge Gründer im Kreativbereich parat hat. Viel Freude beim Lesen!

Wie bist du zu deinem jetzigen Beruf gekommen?

Mein Beruf besteht ja aus zwei Bereichen: Zum einen fertige ich Quilts nach Kund_innenwunsch an. Das hat sich so ergeben würde ich sagen. Nach der Geburt meines ersten Kindes war mir bald klar, dass ich mein Studium nicht beenden will und stattdessen etwas anderes machen möchte. Ich eröffnete einen DaWanda-Shop für allerhand Selbstgenähtes. Über amerikanische Blogs wurde ich mit Quilting angefixt und entdeckte ein ganz neues Universum aus Farb- und Musterkombinationen, Techniken, unendlich vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Ich wollte das unbedingt lernen und ausprobieren – und habe auch gleich angefangen, neben dem Shopbetrieb Custom Quilts anzubieten. Das lief tatsächlich ganz gut an und hat sich bis heute so gut gehalten, dass ich es ausbauen möchte.

Der andere Bereich meiner Tätigkeit ist das Schreiben von Handarbeitsbüchern. Bei einem Stricktreffen lernte ich eine Redakteurin des OZ Verlags kennen. Ich interessierte mich für ihren Job und dafür, wie diese Bücher produziert werden, dachte aber zunächst gar nicht daran, dass ich selbst auch so ein Buch machen könnte. Zwei Wochen später bot sie mir ein Thema für ein erstes kleines Nähbuch an. Ich war ziemlich baff, sagte aber sofort zu. Seither habe ich vier Bücher gemacht, und es werden bestimmt noch weitere kommen…

Ringelmiez

Was reizt dich besonders an der Selbstständigkeit?

Selbstständigkeit ist die einzige Möglichkeit für mich, das machen zu können, was ich von Herzen liebe, und was ich beruflich auf lange Sicht machen will. Dafür nehme ich die unangenehmen Seiten an dieser Art, zu arbeiten, gerne in Kauf. Der alte Witz: Selbstständigkeit bedeutet, dass man ständig alles selbst machen muss, ist leider sehr wahr; es geht sehr viel meiner knapp bemessenen Zeit für Planung und administrative Arbeit drauf. Das empfinde ich oft als eine Art angezogene Handbremse. Aber wenn ich dann endlich an die Nähmaschine komme und mit dem loslegen kann, was ich so liebe, weiß ich, wofür sich der Aufwand lohnt.

Was ist deine große Leidenschaft?

So ganz allgemein bin ich sehr fasziniert von Farben, Formen, Materialien und den unendlichen Kombinationsmöglichkeiten. Wie aus ein paar Stücken losen Stoffs mit Nadel und Faden große und kleine Kunstwerke entstehen; wie also sozusagen aus „nichts“ „etwas“ wird, begeistert mich immer wieder aufs neue. Meine Leidenschaft sind (fast) alle Techniken, mit denen sich so etwas ermöglichen lässt, also…nunja, eigentlich fast alle Handarbeits- und Craftingtechniken, die es gibt. Daher beherrsche ich neben Nähen, Quilten und Stricken auch noch sehr viele andere Disziplinen. Am meisten liebe ich aber doch das Nähen; weil es so wahnsinnig vielfältig ist, so viele Möglichkeiten beherbergt, so viele Stile zulässt, und weil man damit Dinge erschaffen kann, die nahezu ewig halten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Es ist eher so, dass ich versuche, jede freue Minute zum Arbeiten zu nutzen. Ich habe meistens etwa drei terminfreie Vormittage pro Woche. Sobald mein Mann mit den Jungs in Richtung Kindergarten abgedüst ist und unser kleines Mädchen (hoffentlich) zufrieden alleine spielt, beschäftige ich mich in meiner kleinen Werkstatt mit Kund_innenaufträgen an der Nähmaschine, oder Mailkorrespondenzen rund um Aufträge, Bücher und mein Blog. Abzüglich der Zeit, die ich mich zwischendurch immer wieder um das Mädchen kümmern muss bleiben mir dazu ca. 3 Stunden. Dann kommen schon bald wieder die Jungs nach Hause und ich muss mich ums Mittagessen kümmern. Der Nachmittag gehört dann den Kindern. Manchmal habe ich Glück und sie ziehen sich ins Kinderzimmer zurück und spielen dort stundenlang einträchtig Lego. Diese Zeit nutze ich dann auch oft noch zum Arbeiten. Abends, wenn alle Kinder im Bett sind, kann ich dann am ungestörtesten Arbeiten und tue das auch oft bis in die Nacht hinein.

Ringelmiez

Welchen Tipp wrdest du jungen Gründer_innen geben, die sich im Kreativbereich selbstständig machen wollen?

Das wichtigste ist, dass ihr ein qualitativ hochwertiges, gutes Produkt habt, das auf irgendeine Weise besonders ist. Und zwar so besonders, dass es sich von ähnlichen Produkten abhebt. Kalkuliert alles gut durch; macht eure Preise nicht „nach Gefühl“, sondern wirklich auf betriebswirtschaftlicher Grundlage. Seid euch bewusst, dass auch der schönste kreative Job mit viel Arbeit verbunden ist, auf die man vielleicht nicht immer so viel Lust hat, wie auf die kreative Tätigkeit.

Was findet man auf deinem Blog?

Mein Blog ist erste Anlaufstelle für alle, die mich als Autorin beauftragen wollen oder einen Quilt von mir genäht haben möchten. Sie finden hier ein Porfolio mit meinen Arbeiten und Veröffentlichungen, FAQs rund um meine Arbeit und eine Möglichkeit, mit mir Kontakt aufzunehmen. Außderdem schreibe ich dort natürlich über meine Arbeit in der Quiltwerkstatt, zeige fertige Quilts und einzelne Arbeitsschritte. Oft biete ich kleine Tutorials aus verschiedenen Craftingbereichen an. Mittlerweile nähe ich für mich und meine Familie auch viel Kleidung selbst, die ich dann auch auf meinem Blog zeige. Manchmal gewähre ich auch Einblicke in Themen aus unserem Familienleben.

Eine weitere ganz wichtige Sache ist, dass mein Blog ein politisches Handarbeitsblog ist. Ich mute meinen Leser_innen also auch oft kritische Themen zu, weil ich möchte, dass über den Wert und die Bedeutung von Handarbeit nachgedacht wird. Das betrifft zum Beispiel sowohl die Bedingungen, zu denen Industrieware in Drittländern hergestellt wird, als auch die Preise, die hierzulande für Handgemachtes verlangt werden. Aber es spielen auch noch sehr viele andere Themen eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Handarbeit, beispielsweise feministische und genderpolitische.

Was macht deinen Blog und deine Produkte besonders?

Politik und Handarbeit sind zwei Bereiche, die für viele Menschen nicht zusammen gedacht werden können. Ich denke, dass mein Blog da eine Lücke füllt und Themen anspricht, die man sonst auf Craftingblogs eher nicht findet. Bisher bekomme ich sehr viele positive Resonanzen dazu; viele Leser_Innen sond froh, endlich ein Blog mit genau dieser Ausrichtung gefunden zu haben. Andere schreiben mir, dass die tatsächlich dankbar für den ein oder anderen Denkanstoß sind. Seit dem Relaunch meines Blogs im Sommer sind die Besucher_innenzahlen geradezu explodiert, und ich bekomme neben vielen Rückmeldungen von Leser_innen auch viele Kooperations- und Werbeanfragen. Zur Zeit wird mein Blog etwa von 55.000 Leser_innen monatlich besucht. Das freut mich sehr und zeigt mir, dass ich mit den Themen, über die ich schreibe, den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Was die Näherei, insbesondere von Quilts, angeht, glaube ich, dass ich ein Talent dafür habe, die Wünsche der Kund_innen sehr treffend umsetzen zu können, auch wenn diese oft gar nicht so ganz genau beschreiben können, wie sie sich den Quilt ihrer Wünsche vorstellen. Ich habe den Eindruck, meine Kund_innen Vertrauen mir und der technischen und emotionalen Sorgfalt, die ich in meine Arbeit lege – letzteres besonders in den Fällen, in denen sie mir erinnerungsträchtige Kleidungsstücke überlassen, damit ich einen „Memory Quilt“ daraus mache.

Ringelmiez

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Meine ganz persönliche Vorliebe ist die Kombination aus bunt und schlicht. Ich mag farbenfrohe Dinge, die trotzdem harmonisch anzuschauen sind und das Auge nicht überfordern. Ich kann mich aber auch gut auf andere Geschmäcker einstellen und die Wünsche meiner Kund_innen zu einem stimmigen ganzen formen.

Was nähst / bastelst du am Liebsten?

Meine größte Liebe gehört einfach den Quilts, aber auch kleineren gequilteten Arbeiten. Ich liebe zum Beispiel gequiltete Taschen und Täschchen. Durch die Steppnähte sehen viele Dinge einfach gleich so viel schöner, perfekter, runder aus. Auch English Paper Piecing und Quilten von Hand fasziniert mich sehr. Es gibt einfach so unendlich viele Möglichkeiten!

Woran arbeitest du momentan?

In den nächsten Wochen werde ich Memory Quilts nähen, die mir besonders nahe gehen. Ich werde dazu wahrschienlich noch etwas ausführlicher auf meinem Blog schreiben. Aber es sei so viel verraten, dass es sich um Quilts für zwei Jungs handelt, die ich aus Kleidung ihres verstorbenen Vaters nähen werde.

Gab es schonmal eine ganz besondere Rückmeldung von einem deiner Kund_innen?

Glücklicherweise bin ich in dieser Hinsicht sehr erfolgsverwöhnt: Ich bekomme eigentlich nur positive Rückmeldungen von Kund_innen, die sich sehr über ihre Quilts freuen und viel Spaß daran haben. Einmal habe ich als zusätzliches Dankeschön von einer Kundin dann noch ein tolles Buch von meiner Amazon-Wunschliste geschickt bekommen, das hat mich schon sehr gefreut :)

Was machst du, wenn du mal nicht kreativ bist? Wie und wobei entspannst du dich am Liebsten?

Selbst in meiner Freizeit nähe, stricke und bastle ich gerne und eigentlich gibt es kaum Momente, in denen ich nicht mindestens Strickzeug in den Händen habe. Dinge mit meinen Händen zu erschaffen, macht mir einfach unglaublich viel Freude und ich versinke nicht selten fast meditativ darin. In meiner Freizeit bastle und werkle ich sehr gerne mit meinen Kindern zusammen. Es ist so schön zu sehen, wie gerne sie das machen, welche Ideen und Vorstellungen sie dabei von Farben und Kompositionen entwickeln, und wie stolz sie am Ende auf das sind, was sie erschaffen haben. Ich liebe das! Ich freue mich auch schon sehr auf das Geschenkebasteln und Transparentsterne falten in der Adventszeit.

Ringelmiez

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wird es mit deinem Label weitergehen?

Das ist tatsächlich die große Frage, die mich umtreibt. Ich möchte von meiner Hände Arbeit leben können und bin auch auf einem guten Weg dahin. Für das nächste Jahr habe ich die Veröffentlichung eines ersten Quilt- eBooks geplant, und auch ein Quilt-Kurs in einem schönen Laden in Freiburg ist in Planung. Ich möche mein Wissen gern weitergeben und es anderen Menschen ermöglichen, sich Quilts ganz nach ihren Vorstellungen selbst nähen zu können. Es wird auf jeden Fall spannend und ereignisreich bei ringelmiez und ich sehe der Zukunft meines Labels mit viel Vorfreude entgegen.

Liebe Ella, ich danke dir vielmals für diesen persönlichen Einblick in deinen kreativen Alltag und wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinen zukünftigen Projekten!

Und ihr liebe Leser dürft jetzt mal durch Ellas Blog stöbern und euch gern inspirieren lassen.