Behind the Scenes: jolijou

Behind the Scenes: jolijou

Behind the Scenes: JolijouAndrea (alias Frau Mülli) und ihr Label jolijou sind in der Nähwelt bekannt wie ein bunter Hund. Jeder kennt die farbenfrohen jolijou Stoffe, Webbänder und Schnittmuster, von denen einige mittlerweile Kultstatus haben – wie z.b. Shirt „Joana“ und Fototasche „Fotobella“.

Wie Andrea Selbstständigkeit und Familie miteinander vereint, was ihre Pläne für die Zukunft sind und wobei sie am Liebsten entspannt verrät euch die gebürtige Australierin im heutigen Interview. Nehmt euch eine Tasse Kaffee und begleitet die kreative 3-fach Mama in ihrem farbenfrohen Alltag.

 

Liebe Andrea, Wie bist du zu deinem jetzigen Beruf gekommen?

Als meine Tochter 2001 geboren wurde habe ich das Nähen wieder für mich entdeckt, nicht nur, um für sie schöne Unikate zu nähen, sondern auch um die Haushaltkasse während meiner Elternzeit aufzustocken. Ich fing mit 50€ Startkapital und einer Nähmaschine vom Discounter an und habe – in den Abendstunden als meine Tochter schlief – Kinder-Dirndl und aufwändig applizierte Zipfelpullis aus Fleece genäht und bei Dawanda und Etsy verkauft. Irgendwie habe ich damals den Zeitgeist getroffen, denn das Geschäft lief sehr gut. Geholfen hat dabei auch mein Blog www.jolijou.com, den ich Ende 2007 startete, da konnten mich meine Kunden noch etwas besser kennen lernen.

Als Anfang 2007 mein Sohn geboren wurde war ich auf der Suche nach tollen Motiven für Jungs und da ich nichts gefunden habe was mir gefiel habe ich kurzerhand selber zum Stift gegriffen und gezeichnet. Anschliessend nahm ich all meinen Mut zusammen und bot die Illustrationen der Firma Huups! – ein bekannter Hersteller für Stickmuster – an. Ich habe noch nie so gezittert wie vor dieser Email! Ich war so erleichtert, dass meine Sorgen anscheinend unbegründet waren, denn meine Zeichnungen wurden für gut befunden und es entstand kurze Zeit später eine Stickdatei daraus. Das, und das Feedback das ich in meinem Blog dafür bekam, beflügelten mich ungemein und so habe ich weiterhin Entwürfe geschickt, inzwischen auch an das Partnerunternehmen Farbenmix für Webbänder und Schnittmuster. Ebenfalls mit Erfolg! Aber natürlich nicht immer, denn auch Rückschläge gehörten dazu, diese nahm ich aber nie persönlich, sondern versuchte an ihnen zu wachsen und mich dem nächsten spannenden Projekt zugewandt. Ich blieb stetig am Ball, habe sehr hart gearbeitet und immer wieder meine Kenntnisse weiter entwickelt. Das zahlte sich aus, denn seitdem habe ich über 20 Schnittmuster, knapp 30 Webband-Designs und über 30 Stickdateien veröffentlicht. Heute entwerfe ich zusätzlich Stoffe und Kollektionen für Swafing, ein Partnerunternehmen von Farbenmix, und betreibe mit meinen Designs einen erfolgreichen Papeterie und Geschenkartikel-Shop.

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Was reizt dich besonders an der Selbstständigkeit?

Auch wenn es abgedroschen klingen mag, selbständig zu sein bedeutet wirklich selber und ständig zu arbeiten, denn es gäbe immer etwas zu tun, zu optimieren oder zu erschaffen, da fällt es manchmal nicht leicht abzuschalten. Ich möchte aber dennoch niemals tauschen, denn als Selbständige wandern die Früchte meiner Arbeit zu hundert Prozent in meine eigene Tasche (und die vom Finanzamt ;-) ). Ich habe es also selber in der Hand und nach oben ist alles offen.

Was ist deine große Leidenschaft?

Muster! Ich liebe es wenn aus einem kleinen Rapport ein Muster entsteht, das ist jedes Mal ein toller Überraschungsmoment. Daher auch meine große Sammel-Leidenschaft für schöne Stoffe.

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Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Der Wecker klingelt um 6.45. Dann beginnt der morgendliche Run, um alle rechtzeitig und gut gestärkt in Schule, Kindergarten oder Arbeit zu bekommen, dabei sind mein Mann und ich ein eingespieltes Team also klappt das immer prima. An drei Tagen der Woche geht der Run für mich weiter. Nämlich 45 Minuten lang, entlang der beschaulichen Feldstraßen und mit lauter Musik im Ohr. Das pustet den Kopf so richtig schön frei und die anschliessende Dusche ist eine Wohltat. Danach räume ich noch ein paar kleine Chaosberge des Vortages weg bevor ich mich mit einem ersten Kaffee des Tages vor den Rechner setze und mein Tagwerk vollbringe. Dann entwerfe ich neue Designs, bespreche Kollektionen, stelle neue Produkte in meinen Shop, nähe Designbespiele, verpacke Bestellungen aus meinen Shops oder was sonst noch so ansteht. Viel Zeit bleibt mir nicht, denn am Nachmittag sind auch schon wieder die Kinder im Haus, also muss jede Sekunde gut genutzt werden. Was nicht geschafft wird, wird entweder in die Abendstunden verlegt oder auf den nächsten Tag verschoben.

Welchen Tipp würdest du jungen Gründern geben, die sich im Kreativbereich selbstständig machen wollen?

Bereite dich auf harte Arbeit vor, höre nie auf zu lernen, sei zielstrebig aber nicht verbissen, netzwerke und bleibe immer positiv. Wer im Kreativ-Bereich erfolgreich werden will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass es kein „get rich quick“ Modell ist und sich auf jede Menge harte Arbeit, Klinkenputzen und anfängliche Mißerfolge einstellen. Das soll nicht abschrecken, im Gegenteil, es soll diejenigen ermutigen die sich davon nicht beirren lassen, sondern sich durchbeißen und – komme was wolle – an ihrem Traum festhalten weil sie voller Leidenschaft dabei sind. Dann wird der Erfolg auch ganz sicher kommen.

Vor der Selbständigkeit sollte man sich natürlich umfassend informieren, aber auch nach der Gründung ist es wichtig, sich regelmäßig weiterzubilden. Gerade im OnlineGeschäft ändert sich vieles sehr schnell und da sollte man stets auf dem Laufenden bleiben. Dabei hilft auch der Austausch mit Gleichgesinnten – also das Netzwerken – die man in Gründer-Foren auf Dawanda oder Etsy, in Blogs oder in Facebook-Gruppen findet. Ein gutes Netzwerk wirkt sich auch positiv auf die Marken-Bekanntheit aus und trägt mit zum Erfolg bei.

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Was findet man auf deinem Blog / Shop?

In meinem Blog findet man viele DIY-Ideen, Schnittmuster-Anregungen, Rezepte und Geschichten aus meinem Leben hinter den Kulissen meiner Arbeit. Ich habe zwei Shops, einen regulären Shop bei Dawanda und einen B2B-Shop in dem Händler meine Produkte für ihr Ladengeschäft einkaufen können. In beiden verkaufe ich Papeterie und Geschenkartikel im farbenfrohen Jolijou-Design.

Was macht deinen Blog und deine Produkte besonders?

Mir wurde mal gesagt, meine Produkte strahlen viel Lebensfreude aus. Das freut mich natürlich sehr, denn das spiegelt meine Persönlichkeit wieder und ist das Lebensgefühl das ich vermitteln möchte.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Verspielt, farbenfroh und immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Aber ich entwickele mich ständig weiter, probiere neue Richtungen einzuschlagen und nicht nur den einen Stil zu bedienen. Mal reduziert, mal verspielt verschnörkelt, mal süss und putzig, mal frech und witzig, ich mag mich da nicht zu sehr festlegen.

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Was nähst / bastelst du am Liebsten?

Ehrlich gesagt am liebsten für meine Kinder, denn dieses Strahlen in den Augen wenn sie von mir etwas selbst Genähtes bekommen ist unübertroffen.

Woran arbeitest du momentan?

Derzeit tanze ich wieder auf vielen Hochzeiten, der Relaunch meiner Website ist fast abgeschlossen, aber es fehlen noch die letzten Feinschliffe. Ansonsten arbeite ich an den neuen Herbstkollektionen, bereite die Präsentation der Sommerstoffe vor und erstelle neue Produkte für den Shop. Ich muss mich also ranhalten *lach* :)

Was machst du, wenn du mal nicht kreativ bist? Wie und wobei entspannst du dich am Liebsten?

Ich koche und backe sehr gerne, allerdings entspannt es mich nur wenn ich nicht muss und mich kreativ austoben darf. Ansonsten ist Wandern des Müllers Lust. Da ich in Australien aufgewachsen bin wo alles mehr oder weniger platt ist, faszinieren mich die Alpen sehr und das Gefühl oben am Berg ist unbeschreiblich. Jenseits der Berge liebe ich das gesellige Beisammensein, sei es ein Kaffeekränzchen mit meinen Mädels, ein lustiges Beisammensein in der Tapasbar oder ein romantisches Abendessen mit meinem Mann, das brauche ich wie die Luft zum atmen.

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Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wird es mit deinem Label weitergehen?

Eigentlich kann alles gerade so bleiben wie es ist. Ich habe noch so viele Ideen die ich verwirklichen möchte, und wenn ich diese weiterhin realisieren darf bin ich super glücklich!

 

Liebe Andrea, vielen Dank für den offenen Einblick in deine kreative Welt!

Und ihr liebe Leser könnt euch nun durch Andreas farbenfrohe Designs klicken: Hier gehts zum Blog www.jolijou.com!