Behind the Scenes: RevoluzZza

RevoluzZza im PortraitSuse vom Label RevoluzZza kennt ihr sicherlich alle. Sie ist eine meiner größten Ikonen im Nähbereich und so freue ich mich riesig, euch die hochkreative Berlinerin heute im Portrait vorstellen zu dürfen. Suse lebt mit ihren beiden Kindern in einem kleinen Häuschen mit großem Garten am Rande Berlins nachdem sie viele Jahre im Szene-Bezirk Prenzlauer Berg wohnte. Sie arbeitet als freie Künstlerin, Illustratorin und Designerin.

Einblicke in Suses bunten und spannenden Alltag, sowie ihre Nähanleitungen findet ihr hier:

» RevoluzZza Blog
» RevoluzZza Shop

 

Liebe Suse, Wie bist du zu deinem jetzigen Beruf gekommen?

Nachdem ich als Art Director in einer großen Online-Redaktion gearbeitet hatte, brauchte ich eine Auszeit für die Kinder, weil sich die Arbeit nicht mit dem Säuglings-Alltag vertragen hat. Das führte dann nach und nach dazu, dass ich mich fragte, ob ich nach der Kinder-Auszeit wieder in meinen alten Beruf einsteigen möchte. Ganz nebenbei hatte ich 2006 einen Familien-Blog gestartet und zeigte dort ein paar Stoff-Hasen, –Katzen und -Monsterchen, die ich für meine Kinder genäht hatte – und bekam ein umwerfendes Feedback von der Mama-Blogger-Welt. Noch vor dem Start von Dawanda und Etsy in Deutschland konnte ich mich vor Bestellungen kaum retten.

Alles entwickelte sich zu einem erstaunlichen Selbstläufer, plötzlich stand „arte“ in meinem Wohnzimmer und drehte über mein kleines Label einen Beitrag, ich nähte Monster für die neue Nationalgalerie für die größte Paul Klee-Retrospektive überhaupt, nahm an verschiedenen Crafting-Ausstellungen in den USA teil und aktuell habe ich verschiedene Fantasie-Tiere fürs Fernsehen und ganz aktuell für einen deutschen Kinofilm entworfen und genäht (leider kann ich da noch nichts zeigen und verraten – wie immer im Film-Geschäft: top secret).

RevoluzZza im Portrait

Was reizt dich besonders an der Selbstständigkeit?

Ich war noch nie ein Mensch, der in einem Beruf vom Studium bis zur Rente hätte glücklich werden können. Ich habe schon in allen möglichen Bereichen gearbeitet: Von der Berliner Kneipen-Bedienung, Lampen-Fabrik-Akkordarbeiterin, Einzelfallhelferin bei Kindern mit Behinderung, Schwester im Altenheim, Illustratorin für Microsoft, redaktionelle Mitarbeiterin für historische Themen, Konzepterin, Art Director und tatsächlich noch so einiges mehr. Ehrlich gesagt fand ich jeden Job spannend und war immer auf der Suche nach Geschichten, den riesigen und klitzekleinen Besonderheiten, die das Leben spannend machen. Und hier bietet mir die Selbständigkeit alle Möglichkeiten – immer Neues auszuprobieren, kennenzulernen, zu verwerfen und neu zu starten.

RevoluzZza im Portrait

Was ist deine große Leidenschaft?

Meine große Leidenschaft sind Geschichten und Märchen. Schon als Kind habe ich mir da allerhand ausgedacht, jede Menge Schreibhefte gefüllt, meinen Freunden erzählt und zusammen nachgespielt. Meine Nichten und Neffen werden wohl nie vergessen, wie ich – als ich sie betreuen sollte – nachts mit ihnen über Friedhöfe lief und Gruselgeschichten erzählte. Und meine Kinder wünschen sich immer neue Stories von mir und ärgern sich regelmäßig über mein gemeines „aber das ist eine andere Geschichte“, wenn es Zeit ist das Erzählte zu beenden, weil die Bahnfahrt vorbei, ein langer Weg vorüber oder es endgültig Schlafenszeit ist. Die meisten meiner Geschichten haben aber ein echtes Ende :)

RevoluzZza im Portrait

Während meines Kunststudiums habe ich in einem Pflegeheim gearbeitet und bin dort natürlich immer wieder an ganz existentielle
Themen geraten: Was macht einen Menschen aus, was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er sogar schon vergessen hat, wer er
selbst ist. Und die Antwort, die ich immer wieder fand, ist: Es sind unsere Geschichten. Selbst wenn wir unseren Namen nicht mehr wissen, erinnern wir uns doch immernoch daran, wie wir unsere Lieblings-Gans mit einer List vorm Weihnachtsbraten-Schicksal retten konnten und die Eltern uns schließlich erlaubten, dass Gans Greta am Leben bleiben durfte. Oder wie die Freundes-Bande den Lehrer austrickste und alle Klassenarbeitshefte mit den schlechten Zensuren im Dorfteich versenkte. Oder… ach, ich könnte Euch noch ganz Vieles erzählen – aber das: Ist eine andere Geschichte :)

“Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken: Poesie aber ist Märchen”
(Johann Wolfgang von Goethe)

RevoluzZza im Portrait

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ehrlich gesagt gibt es den nicht so wirklich, aber wenigstens startet er immer gleich: Ich stehe eine Stunde vor den Kindern auf und arbeite die ersten Bestellungen ab. Nachdem die Kinder zur Schule gegangen sind, habe ich Zeit bis mittags für meine Arbeit – die je nach Projekt immer ganz anders aussieht: Zeichnen, Fotos machen, schreiben, nähen… Wenn die Kinder nach Hause kommen, ist erst mal Arbeitspause – und abends geht es dann weiter.

RevoluzZza im Portrait

Welchen Tipp würdest du jungen Gründern geben, die sich im Kreativbereich selbstständig machen wollen?

Man muss ganz ehrlich sagen, dass es im Crafting-Bereich schwerer geworden ist als zu der Zeit, als ich begann. Die Konkurrenz ist enorm. Wer glaubt, dass man hier schnell Geld machen kann, weil DIY im Trend ist, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Wer aber eine klare Vision hat, was er machen möchte, eigene Ideen und genügend Mut hat, sich den ersten Stolpersteinen, die es immer geben wird, entgegenzustellen und beharrlich und diszipliniert zu arbeiten – kann im Kreativ-Bereich ganz sicher seinen Traum-Job finden.

Was findet man auf deinem Blog bzw. Shop?

Eine Menge Geschichten, aber auch Free Tutorials, mit denen man sich ganz ohne Risiko ans Selbermachen heranwagen kann, vegane Rezepte – schaut einfach mal selber nach!

RevoluzZza im Portrait

Was macht deinen Blog und deine Produkte besonders?

Eine Zeit lang habe ich ganz praktische Dinge entworfen – die erste Mutterpass-Hülle, wie sie heute überall genäht wird, ist ein revoluzZzionäres Produkt gewesen, das ich 2007 auf Wunsch einer Kundin entwickelte. Außerdem entwarf ich Taschen (deren Anleitungen es in verschiedenen Zeitschriften gab), Accessoires und Kinderkleidung – ich habe aber schnell gemerkt, dass mir das zu langweilig wurde. Deshalb liebe ich es Kreaturen und Puppen zu entwerfen und zu nähen. Alle meine aktuellen Produkte haben eine Geschichte – vielleicht sogar eine „Seele“. Ich bekomme sehr viel Feedback von Kunden, die sich dafür bedanken, dass diese Geschichten Teil ihres Lebens wurden, sie Märchen zu meinen Puppen in die Gute-Nacht-Routine mit ihren Kindern einbauten – oder sich einfach trauten, nach langer Zeit ihrem verschütteten inneren Kind etwas Raum zu geben.

“Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgend einem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!” (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

RevoluzZzionär :)

Woran arbeitest du momentan?

Ich bearbeite immer verschiedene Projekte gleichzeitig. So arbeite ich momentan an einem neuen Tutorial. Aber mein Arbeits-Schwerpunkt liegt zurzeit auf einem inklusiven Kinderbuch, das ich zusammen mit Raul Krauthausen schreibe.

Gab es schon mal eine ganz besondere Rückmeldung von einem deiner Kunden?

Eigentlich finde ich fast jede Rückmeldung meiner Kunden besonders – wenn sie mir die Puppen und Monsterchen und Tiere zeigen, die sie nach meinen Anleitungen nähten. Das ist einfach etwas sehr Intimes. Ganz besonders freut es mich aber immer, wenn mir Kunden schreiben, dass sie aufgrund meiner Tutorials das Nähen zum allerersten Mal ausprobierten – und glücklich über das Resultat sind! Man glaubt gar nicht, wie viele erfolgreiche Crafter mit einem RevoluzZza-Tutorial begonnen haben ;-)

RevoluzZza im Portrait

Was machst du, wenn du mal nicht kreativ bist? Wie und wobei entspannst du dich am Liebsten?

Ich liebe die Natur über alles – deshalb zeige ich Euch auch meine Sommer-Werkstatt im Garten. Ich bin mit meinen Kindern sehr viel draußen im Garten oder wir unternehmen lange Waldspaziergänge mit unserem wunderbaren Hund Lotta oder gehen in Seen schwimmen und erschrecken arglose Enten (ganz selten :)). Außerdem bin ich absolute Filmliebhaberin. Weil ich als Alleinerziehende nicht so oft ins Kino komme, bin ich auf iTunes, Watchever und Co. absolut maßlos und kann Lieblingsfilme immer wieder schauen. Meine Favoriten sind alle Werke von Tim Burton und Wes Anderson. Und schließlich liebe ich Krimis. Etwas, was ich ganz selten erzähle: Beim Nähen meiner ja wirklich lieblichen und süßen Püppchen höre ich sehr gerne ziemlich schreckliche und gruselige Skandinavien-Krimis als Hörbuch. Gegensätze würzen das Leben :)

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wird es mit deinem Label weitergehen?

Es gibt es da so vieles… auch so viele Wünsche meiner Kunden und so viele Ideen, die ich habe, dass ich gar nicht genau sagen kann, wann ich was davon umsetzen werde. Ich bin auch ganz ehrlich, dass ich gar nicht genau weiß, wie lange es RevoluzZza so noch geben wird. Ich habe immer wieder extreme berufliche Veränderungen in meinem Leben gehabt, wenn ich das Gefühl hatte, eine Sache sei beendet und ich brauchte eine neue Herausforderung. Deshalb kann ich nur sagen: Lasst Euch überraschen – denn einige Überraschungen habe ich auf jeden Fall noch auf Lager! Und lebt revoluzzzionär – viva la RevoluzZzion!

Liebe Suse, ich danke dir vielmals für dieses tolle Interview und wünsche dir viel Erfolg mit deinem Label und den neuen spannenden Projekten.

Lasst euch inspirieren! Hier gehts zu Suses Blog.