Behind the Scenes: Miriam Dornemann im Portrait

Miriam Dornemann im PortraitMiriam Dornemann alias miri d. ist Nähbegeisterten sicherlich ein Begriff. Die ehemalige Beamtin ist heute Autorin von zahlreichen DIY-Büchern und arbeitet außerdem als Grafikerin und Illustratorin. Mit ihrem Freund und dem gemeinsamen Sohn lebt die 37-Jährige im Allgäu.

In ihrem zweisprachigen Blog berichtet Miriam regelmäßig von ihrer kreativen Arbeit, neuen Projekten und gibt einen Einblick hinter die Kulissen ihres Alltags. Außerdem findet ihr dort auch viele kostenlose DIY-Anleitungen.

Heute nehme ich euch mit in Miriams Atelier. Schaut euch in Ruhe um und lasst euch inspirieren! Übrigens: Die Fotos vom Atelier sind zu 100% authentisch und zeigen ihren wahren Arbeitsalltag. Nachdem sie erst akribisch aufgeräumt hatte und alles in perfektem Glanze zeigen wollte, entschied sie sich dann doch für das „echte Leben“: Etwas chaotisch, gespickt mit Post-it-Notizzetteln und etwas Chaos! Dafür ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen von miri d. In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen!

 

Wie bist du zu deinem jetzigen Beruf gekommen?

Von Hause aus bin ich Diplomverwaltungswirtin, also Beamte. In dem Beruf war ich aber schwer unglücklich und habe nach einigen Jahren „geschmissen“ und in einer Werbeagentur noch mal als Praktikantin angefangen. Am Wochenende habe ich dann eine Werbeschule besucht. Danach bin ich als Grafikerin bei Bähr (das sind die Ursus-Produkte, mit dem Bären oben rechts) gelandet. In meine jetzige Situation bin ich irgendwie „reingerutscht“. Die Selbständigkeit war nie geplant, denn gegen eine Portion Sicherheit habe ich nichts. Trotz des Umzugs nach Graz und dann ins Allgäu konnte ich weiterhin Bücher für den Frechverlag schreiben. Und auch mein anderer Arbeitgeber Bähr hat mich freiberuflich weiterbeschäftigt. Allerdings ist auch hier wieder einiges im Umbruch. Oder besser gesagt: es entwickelt sich weiter. ;-)

Miriam Dornemann im Portrait

Miri: „Dieser Teil des Büros sieht meistens ordentlich aus, auf der Anrichte entstehen viele meiner Fotos.
Da brauche ich einfach Platz. Im Stofflager ist es schön bunt und fast ordentlich.“

Was reizt dich besonders an der Selbstständigkeit?

Wie gesagt – es war nie geplant. Trotzdem ist es eine tolle Möglichkeit, Beruf und Familie perfekt unter einen Hut zu bringen. Dadurch, dass ich nicht direkt in einer Firma sitze, können sich meine Ideen einfach freier entfalten. Ich habe keinen Chef im Nachbarzimmer, der seinen Stil in meine Ideen einfließen lasst. Und doch; so alleine vermisse ich manchmal den direkten Austausch mit Kollegen. Und die gemeinsame Mittagspause. Wie gern würde ich in einem Kollektiv arbeiten, jeder für sich, aber in gemeinsamen Räumlichkeiten. Vielleicht sollte ich das mal hier auf dem Land anstreben…

Was ist deine große Leidenschaft?

Das Basteln, Nähen, Kreativsein. Bei mir verbinden sich so Leidenschaft und Beruf ganz wunderbar. Meine andere große Leidenschaft ist das Reisen. Das volle Programm mit Museen, Kirchen, Sightseeing, dann im Café sitzen und die Atmosphäre am Urlaubsort einsaugen. Und shoppen. Gerne auch im Lebensmittelladen schauen und vom Verpackungsdesign inspirieren lassen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich bringe den Sohn um 9.00 Uhr in den Kindergarten, dann arbeite ich bis 15.00 Uhr und hole dann unseren Sohn wieder ab. Die Zeit von 9.00 bis 15.00 Uhr ist nicht genau geplant, das hängt von den Aufträgen ab. Allerdings beginne ich jeden Arbeitstag mit einer Tasse schwarzem Tee mit Zucker und Milch, dann wird der Computer hochgefahren, Mails gelesen und eine kurze Runde durchs Netz gemacht. Dann geht’s an die eigentliche Arbeit. Neue Papiere entwerfen, Taschen für Bücher entwerfen und nähen. Dann die Anleitungen für die Taschen schreiben und passende Illustrationen dazu zeichnen.

Welchen Tipp würdest du jungen Gründern geben, die sich im Kreativbereich selbstständig machen wollen?

Bedenkt: Art Work is Hard Work. Auch wenn ein kreativer Job nach viel Spaß aussieht, er besteht zu einem großen Teil aus organisatorischer Arbeit. Man sollte die Fähigkeit haben, sich selbst zu motivieren. Denn es ist kein Chef im Nebenraum, der einem mal auf die Finger klopft. Deadlines und Termine muss man sich selbst legen. Aber ansonsten: Los geht’s!

Miriam Dornemann im Portrait

Miri: „Das sind meine Nähmaschinen. Und der neue Laptop, den ich seit Wochen mal ordentlich „einrichten“ sollte. Das ist aber so nervig, dass ich mir lieber eine ganz süße kleine Kindernähmaschine gekauft habe … *hüstel*“.

Was findet man auf deinem Blog?

Auf dem Blog findet ihr Papierideen, genähte Sachen, ein paar Tutorials und manchmal Einblicke in mein Leben 1.0. Ohne Redaktionsplan. Sondern einfach so wie es gerade passt.

Was macht deinen Blog und deine Produkte besonders?

Ganz schön schwierig in einer Zeit in der jeder einen Blog hat und dort seine Werke zeigt. Ich denke bei meinem Blog ist es einfach meine Authentizität. Ich schreibe über das was ich mache. Und wenn ich keine Zeit habe, dann liegt der Blog einfach einige Zeit brach. Dafür passiert im Hintergrund mehr.

Miriam Dornemann im Portrait

Zwischendurch darf auch mal entspannt werden. Rechts seht ihr Miris Schreibtisch mit Plotter im Hintergrund.

Miriam Dornemann im Portrait

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Vielleicht als „Basic mit Detail“. Ich trage gern Basic-Teile, die ich mit Ketten, Tüchern oder bunten Taschen aufpeppe. Und so ist auch mein Bastelstil.

Was nähst und bastelst du am Liebsten?

Im Papierbereich Schachteln und im Nähbereich Taschen. Und Jerseysachen. Die sind so schön unkompliziert.

Woran arbeitest du momentan?

An einem neuen Buch über … *knirsch* … *piep* … *krck* … Das erscheint dann im Januar 2015. Und ich habe gerade das „Filofaxing“ für mich entdeckt. Ich bin ein Mensch der Zettelchen und Listen. Und die kommen jetzt in einen Filofax-Ordner. Und der wird im Scrapbook-Stil dekoriert.

Miriam Dornemann im Portrait

Gab es schonmal eine ganz besondere Rückmeldung von einem deiner Kunden?

Eine ältere Dame hat mir vor einiger Zeit geschrieben. Sie hat mit knapp 80 Jahren angefangen Taschen nach meinen Anleitungen zu nähen. Für ihre Enkeltochter. Das fand ich klasse!

Was machst du, wenn du mal nicht kreativ bist? Wie und wobei entspannst du dich am Liebsten?

Öhm, wenn ich mal eine halbe Stunde Zeit habe, verschwinde ich im Nähzimmer … Echt jetzt! Ansonsten gehe ich mal kurz joggen oder drehe eine Runde mit dem Rad. Und am Wochenende packt mich dann der Fluchtinstinkt und ich fahre gerne mal in eine Stadt: bummeln und Leute gucken!

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wird es mit deinem Label weitergehen?

Alles ist im Fluss. Mal schauen wo die Reise hingeht. Ich entscheide da ganz viel nach Gefühl.

 

Liebe Miriam, vielen Dank für dieses spannende Interview und den ehrlichen Blick hinter die Kulissen!

Ich hoffe, ihr seid nun motiviert und inspiriert und hüpft sogleich an die Nähmaschine oder ins Bastelzimmer.